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Burg Rabeneck

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Die Sage von der Riesenburg

Zur Zeit Kaiser Heinrichs I., der den Beinamen der Finkler trug, lebte zwischen Doos und Waischenfeld auf der vorspringenden Anhöhe, die jetzt die romantische Ruine Rabeneck krönt, eine Familie, deren Haupt mit Namen Cloto im ganzen Land bekannt und hochgeschätzt war. Er war von außergewöhnlichem Wuchse und kolossaler Körperkraft, ein Abkömmling der ursprünglichen Riesengeschlechter, aus dem Riesengebirge stammend und aus seiner Heimat durch Streitigkeiten vertrieben. Die Leute mieden ihn anfänglich scheu und hatten große Furcht vor ihm. Als sie aber sahen, dass er trotz seines schreckhaften Aussehens gutmütger Natur war und ihnen mit seiner Stärke half und sie schützte, wo er konnte, brachten sie ihm großes Vertrauen entgegen und waren zuletzt glücklich, ihn bei sich zu haben; tötete erdoch die Bären und Wölfe, die sonst in ihre Hütten brachen, und schützte sie vor räuberischen Einfällen feindlicher Nachbarn. Zu seiner festen Siedlung, die er sich auf der Höhe baute, trut er alles Material mit seinen Händen zusammen; nicht lange danach nahm er die liebliche Tochter aus der Mühle unten am Fluss zur Frau. Ein liebliches Mädchen entsproß dieser Ehe und wuchs zu einer wunderschönen Jungfrau heran. Da ereignete es sich, dass Cloto, als er zur Jagd gegangen war, im dichten Wald dumpfe Schmerzensschreie hörte und, nachdem er sich dorthin Bahn gebrochen hatte, einen Bären erblickte, der einen jungen Mann in fremdem Gewande zu Boden geworfen hatte. Der junge Mann wehrte sich verzweifelt gegen das Untier. Cloto packte den Bären am Genick, hielt ihn mit seinem starken Arm weit hinaus und erschlug ihn mit seiner Keule. Der schwerverletzte Jüngling, welcher inzwischen die Besinnung verloren hatte, wurde von ihm nach Hause getragen und von seiner Frau und Tochter aufs liebevollste gepflegt. Der also Gerettete war der Sohn eines böhmischen Grafen, Benko mit Namen, hatte sich beim Jagen verirrt und wäre ohne Clotos Dazwischenkommen sicher verloren gewesen. Bald war der Jüngling genesen; es gefiel ihm aber so gut bei seinen Gastfreunden, dass er keine Anstalten machte, in seine Heimat zurückzukehren. Er ging mit dem Hausherren auf die Jagd und trug abends durch Erzählen aus den fernen Ländern viel zur Unterhaltung bei . In Wirklichkeit hatte es ihm die schöne Wertha angetan. Das war ja ganz natürlich, zumal ihm das Naturkind, dem jede Verstellung fremd war, offenkundig auch ihre Zuneigung zeigte. Clotos Scharfblick blieb das nicht verborgen. Da er sich sagte, dass Benko als Sohn eines mächtigen Grafen niemals sein Schwiegersohn werden könnte, beschloss er, die Neigung der beiden sich nicht weiter entwickeln zu lassen, sah er doch dadurch seinen häuslichen Frieden ernstlich bedroht. Er riet ihm daher auf dem nächsten Pirschgang, schleunigst zu seinen Eltern zurückzukehren, damit dieselben von der großen Sorge um das Leben ihres Sohnes befreit würden. Um alle Gegenreden abzuschneiden, erbot er sich, ihn selbst bis zur böhmischen Grenze zu begleiten. Der junge Graf bat aber, noch von Clotos Familie Abschied nehmen zu dürfen, um sich bei seinen Pflegerinnen nochmals bedanken zu können; anderntags wollte er in aller Frühe von dannen ziehen. In der letzten Nacht nun hatte er eine Zusammenkunft mit Wertha, die untröstlich über seine Abreise war und ihm offen ihre Liebe gestand. Er versuchte, das Mädchen zu überreden, mit ihm zu fliehen. Als Wertha darauf nicht einging, wollte er ihr Gewalt antun, aber sie rief laut um Hilfe. In diesem Augenblick griff auch schon die eherne Faust Clotos, der alles mit angehört hatte, in seinen Nacken. Mit zornbebender Stimme hielt er ihm seine Schurkerei vor, packte ihn trotz allen Sträubens und warf ihn den Berg hinunter. Doch rief ihm Benko hinauf, er würde sich zu rächen wissen, dann wurde er im Tal nicht mehr gesehen.

Auf diese Weise hatte Cloto den Frieden seines Hauses wiederhergestellt, und auch Wertha war eine zu gesunde Natur, um lange über einen Menschen trauern zu können, dessen Schlechtigkeit sie in letzter Stunde noch erkannt hatte.

Da drangen böse Nachrichten in das Tal. Aus den Donauländern kamen Flüchtlinge, die von neuen Einfällen der Ungarn in das Reich berichteten. Sie erzählten von den furchtbaren Verwüstungen und von der Grausamkeit der Feinde. Voller Schrecken wandten sich alle an Cloto, der sie beruhigte und aufforderte, alle in seine große Siedlung zu kommen, im übrigen aber mitzuarbeiten an der Befestigung der gemeinsamen Burg. Den Wankelmütigen riet, gleich in die Wälder zu fliehen. Doch nur wenige folgten diesem Rat, weil die meisten auf die Stärke Clotos vertrauten. Es dauerte nicht mehr lange, so waren die Feinde auf ihren schnellen, kleinen Pferden auch scon da. Weil sie alle Wohnsitze im Tal leer fanden, wandten sie sich gegen Clotos wohlbefestigte Burg. Sicher hätten sie nach den mit großen Verlusten abgeschlagenen Angriffen auf eine Belagerung verzichtet, wenn nicht Benko, der böhmische Grafensohn, als Führer bei ihnen gewesen wäre. Der Verräter erzählte ihnen von ungeheuren Schätzen, die im Hause Clotos zu finden wären. Als alle Versuche, die Burg zu nehmen, misslangen, verfiel Benko auf eine teuflische List: Er teilte die Truppen auf und ließ die eine Hälfte in klarer Mondnacht zum Scheine abziehen. Cloto, in der Meinungm, der Feind wolle seine Burg umgehen und von anderer Seite angreifen, zog mit dem größten Teil seiner Leute den Ungarn nach. Da übefiel Benko mit der anderen Hälfte die nur schwach verteidigte Burg, erstürmte sie und ließ alles niedermachen. Dabei wurden auch Clotos Weib und Tochter getötet. Die in Flammen aufgehende Burg benachrichtigte Cloto von der gelungen List. Umsonst war es, dass er allen voraus mit tigerhafter Wut zu seinem vernichteten Heim zurückstürzte und ganze Reihen der Feinde mit wuchtigen Hieben niedermähte. Alle seine Freunde fielen, und die Gefahr, von der Übermacht der von allen Seiten andrängenden Feinde überwältigt zu werden, wuchs immer mehr. Da brach er sich mit höchster Kraft durch die Reihen seiner Feinde Bahn, stürmte den Berg hinab das Wiesenttal entlang und erkletterte, verfolgt von seinen Feinden, die um jeden Preis seiner habhaft werden wollten, die gewaltigen Felsmassen in der Nähe von Doos. Allein Benko, sein erbitterter Feind, war ihm auf den Fersen und feuerte seine Leute an, die Felsen zu erklettern, von wo aus ein weiteres Entrinnen unmöglich wäre. Zum Beweis begann er als erster hinaufzuklettern. Da ereilte ihn sein wohlverdientes Schicksal. Denn Clotos griff mit übernatürlicher Kraft in die Felsen und schleuderte ungeheure Stücke hinab, dieBenko und seine nachringenden Begleiter hinunterrissen und zerschmetterten. Wo ein Versuch zum Aufstieg gemacht wurde, gingen die Felsbrocken nieder, und kein Ungar wollte sein Leben mehr opfern. Der Heeführer gebot, abzusehen von einem Feinde, der in Wirklichkeit nicht zu bezwingen war. Schon am anderen Tag hatten die Ungarn die Gegend verlassen. Bald darauf wurden sie von Kaiser Heinrich bei Merseburg vollständig geschlagen.

Auf und in den Höhlungen dieser Felsen, wo er sich so mannhaft verteidigt hatte, verlebte nun der einsame und unglückliche Cloto seine Tage als Einsiedler und erreichte ein hohes Alter. Als eine neue Generation wieder im Tale heranwuchs, nannte sie diese Stätte mit heiliger Scheu „des Riesen Burg“, und dieser Name ist bis auf den heutigen Tag geblieben.

Feindliche Brüder

Zwischen Waischenfeld und Doos, jenseits der Wiesent, erhebt sich auf schwindelnd hoher Felsenzinne die alte Ritterburg Rabeneck mit ihrer auf vorgeschobener Dolomitkante thronenden Bartholomäuskapelle, dem einstigen Schloßkirchlein. Der Schlossherr hatte zwei Söhne. Sie waren die letzten Sprosse des ehedem so weit verzweigten Geschlechts und in brüderlicher Liebe einander zugetan. Immer sah man beide gesellig zusammen „wie die Kletten“. Mit einem Male jedoch war dieses innige Verhältnis gelöst; der eine mied den anderen. Wo sie nur konnten, gingen sie einander aus dem Wege. Ging dies nicht an, dan maßen sich gar oft ihre Blicke, als seien sie die schlimmsten Feinde. Die Ursache dieser beklagenswerten Entzweiung war das ahnunglsose Edelfräulein auf der nahen Guttenburg, zu dem beider Brüder Herzen fast gleichzeitig in heißer Liebe entbrannten. – Eines Tages trat der ältere Bruder vor den jüngeren hin und sprach gesenkten Blickes: „So kann es nicht mehr weitergehen. Wir stehen beide am Ende unserer Kraft. Der Zweikampf entscheide, wem die Maid gehöre. Ich erwarte dich heute beim ersten Eulenschrei auf der Burgwiese unten am rauschenden Fluß.“ – der Mond warf seinen silbernen Schein in das enge Wiesenttal. Neben dem Flusse standne zwei Ritter in gleißender Wehr. Schwert und Schild legten sie beiseite. Keiner wollte Bruderblut vergießen. Ein Ringkampf sollte die Entscheidung bringen. Der wogte lange hin und her, denn beide waren zähe, durch fortgesetzte Übung kampfgewandte Männer. Da fühlten sie plötzlich den Boden unter ihren Füßen weichen. Keiner hatte im Streite der Nähe des Flusses geachtet. Der nahm die Brüder auf und gab sie nimmer los. Es ertranken mit ihnen die zwei letzten Glieder ihrer Sippe.

Das Fischwasser von Rabeneck

Ein Burgherr von Rabeneck hatte mit zwei anderen deutschen Rittern am vierten Kreuzzug teilgenommen. Schon über zwei Jahre war er abwesend. Kein einziges Lebenszeichen von ihm erreichte die auf der einsamen Burg bangende Gattin. Da wagte sie kaum mehr zu hoffen, den Eheliebsten je wiederzusehen, und verfiel in tiefe Traurigkeit. Eines Tages jedoch kehrte der schon Totgeglaubte zur größten Freude der Seinen auf sein Felsennest zurück. Der von schweren Sorgen befreiten, glücklichen Gattin überreichte er zwei prächtige, mit Goldfäden durchwebte und glitzernden Steinen besetzte Handschuhe, die er in des lateinischen Kaiserreichs Hauptstadt am Bosporus für sie erworben hatte. – Wiederum war der Eheherr mit seinen Reisigen, diesmal in kaiserlichen Diensten, der Heimat ferne. Die Gemahlin wartete seiner auf der so still gewordenen Burg. Traumverloren schweiften eines Tages ihre Blicke von der vorgeschobenen, steil zum Felsentale abstürzenden Bastei in die Weite. Während die Einsame mit ihren Handschuhen spielte, gedachte sie des geliebten Mannes, der ihr die kostbare Gabe vor Jahren mitgebracht aus fernen Landen. Da entriß ihr ein heftiger Windstoß einen der Handschue und wehte ihn hinab ins Tal. Drunten fiel er mitten in das vorüberglucksende Bergflüßlein. Noch sah die Erschrockene, wie ihn die Wellen rasch zu Tale trugen. Aber bald war er ihren Blicken entschwunden. – In ihrer Bestürzung wusste sich die Burgfrau zunächst keinen Rat. Dann gelobte sie, falls der Handschuh wieder in ihren Besitz gelangen sollte, das Wiesentflüßlein dem Fischfange völlig freizugeben, und zwar in erster Linie zum Nutzen der armen Hörigen ringsum. Die Herrenmühle zu Füßen der Burg und jene Flußstelle talabwärts, wo der Handschuh gefunden würde, sollten die Grenzmarken des Frewassers sein. Nun erst sandte die wieder Hoffende eilige Boten zu Tal, dem glücklichen Bringer des Fundes eine fürstliche Gabe verheißend. – Das Flüßlein hatte den Handschuh bis zur Behringersmühle entführt. Dort war er an einem Erlengebüsch, das weit ins Flußbett hineinreichte, hängengeblieben und vom Knappen des Müllers aufgefischt worden. So gelangte das Kleinod wieder zurück in den Besitz seiner Herrin. – Mit Staunen hörte der Burgherr bei seiner Heimkunft von dem seltsamen Ereignisse. Gerne bestätigte er das Gelöbnis seiner Gemahlin und ließ es verbriefen und besiegeln.

Rabeneck

Ob der Stell’ im engen Tale,

wo die Wiesent „tosend“ fällt,

ragt auf scharfem Felsenecke

eine Burg zum Himmelszelt.

Hoher Bau mit spitzem Dache,

Zeuge einer alten Zeit,

da die Schlüsselberger herrschten

in gar stolzer Herrlichkeit.

Einst ein Fräulein – geht die Sage –

Ließ aus leichtem Unbedacht,

einen zarten Handschuh fallen,

den ein Ritter ihr gebracht.

Fiel und schwamm im Wiesentflusse

Traurig blickt die Jungfrau nach

Bis ein Fels ihn aufgefangen.

Freudig drauf die Schöne sprach:

„Da ich wieder hab’ gefunden,

was vor allem ist mir wert,

sei, soweit der Schatz getragen,

frei ein Fischzug euch gewährt!“

Warf das Netz der Fischermeister.

Als er’s her ans Ufer zog,

war es voll von Goldforellen,

dass die Stang’ sich krachend bog.

Ward geschmaust im frohen Feste,

dreht’ im Reigen sich die Maid.

Lange sich die Schenkung jährte –

Doch da kam gar böse Zeit.

Als die Bauern Burgen stürmten,

sank das Schlosses alte Pracht.

Ritterglanz und holde Minne

Wich der neuen Zeiten Nacht.

Wehmutvoll der Harfner schauet,

auf die Hall’, aufs Kirchlein traut,

das sich schmiegt ans alt Gemäuer

schwebend auf den Fels gebaut.

Denkt der Zeit, da Harfen tönten

Und in hoer Ehr’ er stand.

Heut’ der Sturmwind saust ums Fenster,

Öde ragt des Saales Wand.